Beispielrede Ada Badey

Das Video zu dieser Beispielrede finden Sie hier.

Liebe Angehörige, liebe Trauergäste.

Willkommen. Willkommen zu der Abschiedsfeier von Hermann Müller. 

Abschiednehmen ist immer auch eine Zeit des Erinnerns. Und Erinnerungen sind vertraute, große und kleine Pfützen nach dem großen Regen, so der Dichter Vladimir Nabokov

Schafft man es, mit einem Stock eine Furche zu der benachbarten Pfütze in die feuchte Erde zu ziehen, verbindet sich der Inhalt der einen mit der anderen Pfütze zu einer starken Erinnerung.

„Wir sind nur Gast auf Erden.“ Das waren für Hermann Müller nicht nur ein schöner Satz, schöne Worte, es war sein Lebensmotto. Hermann Müller verbrachte sein ganzes Leben in Düsseldorf und wurde 85 Jahre alt.

Er war ein Mensch, der gerne zuerst an die anderen, seine Familie, seine Lieben dachte, sich sorgte, half und immer für alle ein offenes Ohr hatte. Er wuchs auf mit seinen Geschwistern Bruno und Gertrud in Haltern und hatte ein enges Verhältnis zu seiner Herkunftsfamilie. Lange lebten sie nah beieinander. Mit Ihnen, Magdalena Müller, traf er 1964 seine zukünftige Frau, er traf eine Frau, die ihren Mann verloren hatte und mit zwei kleinen Kindern allein dastand. Im Frühjahr 1965 heirateten Sie. Die Kinder waren ihm willkommen. Sehr willkommen.

Hermann Müller hatte also gleich am Anfang dieser innigen und langen Ehe mit Magdalena zwei kleine Kinder, Barbara und Gerti. Auch Nina, die Tochter von Barbara, konnte später bei Magdalena und Hermann behütet aufwachsen. Nur eines konnte er sich nicht vorstellen: Windeln wechseln. Aber es war nötig, und deshalb wurde es gemacht. Auch von ihm. So war er. Auch Martin Müller, der mir viel über seinen Vater erzählt hat, erlebte ihn als weichen, sehr zugewandten Menschen.

In diesem Sinne könnte man sagen, Hermann Müller war seiner Zeit voraus. In mancherlei Hinsicht war er sogar ein moderner Mann. Auch wenn er die Rollenbilder der 50ger Jahre sehr verinnerlicht hatte, war er flexibel genug, um zu tun, was zu tun war, eben auch Windeln wechseln. Die spätere Berufstätigkeit seiner Frau hat er akzeptiert, auch wenn er sie nicht so recht einsehen konnte, „denn es fehlte ja an nichts“. Als Schlosser bei der Firma Krupp hatte er kein großes, aber doch ausreichendes Auskommen für sich und seine Familie. Er hat seinen Beruf bis zur Rente gern ausgeübt.

Hermann Müller liebte die klassische Musik und ging gerne ins Konzert. Als Schüler nahm er auch den Stehplatz hinter einer Säule in Kauf. Das machte ihm nichts. Er konnte dort dieser herrlichen Musik lauschen, und darauf kam es ja an. Seine Achtung vor der Schöpfung war umfangreich, er war ein Gegner von Ungerechtigkeiten, schloss alles Leben auf der Erde vorurteilslos mit in seine Lebenshaltung ein. Er mochte Tiere, wenngleich sie nicht unbedingt auf seinen Schoß platznehmen sollten, was diese jedoch sehr gerne taten. Denn auch sie spürten seine Freundlichkeit.

Seiner Tochter Gerti beschrieb er kundig und mit Begeisterung bei der zufälligen Entdeckung eines Ameisenhaufens im Wald das familiäre Leben der Ameisen. Er war eben auch ein Naturfreund. Er war interessiert an dem, was in der Welt geschah, las ausführlich die Wochenzeitung, war immer gut informiert .

„Mein Vater hat mein Leben sehr geprägt.", sagt sein Sohn Martin. „Er ist zu meinem Vorbild geworden, auch wenn ich mir als junger Mensch ein wenig mehr Widerstand gewünscht hätte.“ Aber Reibung war seine Sache nicht. An gemeinsame, sehr schöne Urlaube kann sich Tochter Barbara erinnern, Wanderungen im Schwarzwald, im Sauerland, in den Mittelgebirgen Deutschlands.

Hermann Müller hat sich immer wieder kleine Aufgaben gestellt, als Rentner gab er das Rauchen auf. Von dem eingesparten Geld ging er gerne zu Auktionen, brachte seiner Frau praktische Dinge mit, und selbst wenn das Bügeleisen am Ende nicht funktionierte, das Ersteigern und Schenken hat ihm Freude gemacht. Hermann Müller wäre es sicher wichtig, dass seine Familie, vor allem seine Frau Magdalena, ein wenig Trost erfährt durch die Tatsache, dass er sein Leben als sehr glücklich empfunden hat.

Er glaubte an den Sinn des Lebens als Geschenk. Und als Geschenk sah er vor allem seine Kinder, seine Familie. Und seine Frau Magdalena empfand er als seine Traumfrau. 

Seine Eltern, so sein Sohn Martin, waren eben auch ein Traumpaar.

Hermann Müller war ein Trostspender. Er war ein Liebender, ein Gebender, ein Menschenfreund.  Einen Stehplatz „hinter einer Säule“, von dem aus man so gut wie nichts sah, nahm er nicht als einen Verlust wahr, sondern einfach als das, was es war:  Als einen Platz, von dem aus man wunderbar zuhören konnte.

Zum Abschied wollen wir gemeinsam seinem Lieblingskomponisten Franz-Joseph Haydn lauschen.  Denn vielleicht war genau diese Musik einmal „seine Musik hinter der Säule“.

Mit diesen Klängen können Sie jetzt noch ein wenig ihren eigenen Erinnerungen an Hermann Müller nachgehen…